Der FC Bayern München steht erneut im Mittelpunkt einer hitzigen Schiedsrichter-Debatte. Präsident Herbert Hainer hat in einer überraschenden und scharfen Erklärung angekündigt, rechtliche Schritte einzuleiten, um Schiedsrichter Tobias Stieler vor dem bevorstehenden Bundesliga-Spiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim auszutauschen. Hainer wirft dem erfahrenen Referee vor, in mehreren Partien systematisch Entscheidungen zum Nachteil des Rekordmeisters getroffen zu haben, was die sportlichen Ergebnisse der Mannschaft massiv beeinträchtigt habe.

In einer Stellungnahme, die der FC Bayern am Sonntag, den 8. Februar 2026, veröffentlichte, betonte Hainer: „Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren wiederholt erlebt, dass Tobias Stieler in entscheidenden Momenten gegen uns entscheidet. Das geht über Einzelfälle hinaus – es handelt sich um ein Muster, das die Integrität des Wettbewerbs in Frage stellt.“ Der Präsident sprach von „wiederholten Benachteiligungen“, darunter strittige Elfmeter-Entscheidungen, nicht gegebene Freistöße und übersehene Fouls an Bayern-Spielern. „Bayern München verdient eine faire Behandlung. Wenn das nicht gewährleistet ist, müssen wir alle rechtlichen Möglichkeiten prüfen, um einen neutralen Unparteiischen zu gewährleisten“, so Hainer weiter.

Die Ankündigung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der FC Bayern in der Bundesliga-Saison 2025/2026 unter Trainer Vincent Kompany um die Meisterschaft kämpft. Nach einem enttäuschenden 2:2-Unentschieden beim Hamburger SV Anfang Februar, bei dem bereits Schiedsrichter Harm Osmers massiv in die Kritik geriet, brodelt es in der Münchner Führungsetage. Sportvorstand Max Eberl und Kapitän Manuel Neuer hatten nach dem HSV-Spiel Osmers als „überfordert“ bezeichnet und von „Fallen des Gegners“ gesprochen, in die der Referee hineingelaufen sei. Nun richtet sich der Unmut gezielt gegen Tobias Stieler, der in der Vergangenheit bereits mehrmals im Fokus bayernkritischer Stimmen stand.

Tobias Stieler, der seit Jahren zu den erfahrensten Schiedsrichtern der Bundesliga gehört, leitete in den letzten Jahren mehrere hochkarätige Spiele des FC Bayern. Besonders in Erinnerung geblieben sind Partien, in denen der Referee aus Hamburg Entscheidungen traf, die in München als fragwürdig empfunden wurden. Beispiele aus früheren Saisons umfassen nicht gegebene Strafstöße oder umstrittene Platzverweise gegen Bayern-Spieler. Hainer betonte in seiner Erklärung explizit, dass es sich nicht um eine persönliche Attacke handle, sondern um den Schutz der sportlichen Fairness. „Wir respektieren die Arbeit der Schiedsrichter grundsätzlich, aber wenn ein Referee wiederholt einseitig wirkt, muss man handeln.
Das ist unser Recht und unsere Pflicht gegenüber unseren Mitgliedern, Sponsoren und Fans.“
Die Reaktionen in der deutschen Fußballszene fielen prompt und kontrovers aus. Der DFB und die DFL äußerten sich zunächst zurückhaltend. Ein Sprecher der Deutschen Fußball Liga erklärte: „Die Zuweisung von Schiedsrichtern erfolgt nach festgelegten Kriterien. Rechtliche Schritte gegen einzelne Unparteiische sind in der Bundesliga bislang nicht üblich und würden einen Präzedenzfall schaffen.“ Experten wie Ex-Schiedsrichter Manuel Gräfe warnten vor einer Eskalation: „Wenn Vereine anfangen, Schiedsrichter auszutauschen, untergräbt das die Autorität des Systems. Das kann niemand wollen.“ Andere Stimmen, darunter einige Journalisten und Fans anderer Clubs, sehen in Hainers Vorstoß einen verzweifelten Versuch, von eigenen Leistungsschwächen abzulenken.
Innerhalb des FC Bayern stößt die Initiative des Präsidenten auf breite Zustimmung. Viele Spieler und Verantwortliche teilen die Frustration über vermeintliche Benachteiligungen. Joshua Kimmich, der in mehreren Spielen mit Stieler aneinandergeriet, hatte in Interviews bereits früher von „inakzeptablen Entscheidungen“ gesprochen. Trainer Vincent Kompany hielt sich bislang bedeckt, betonte aber nach dem HSV-Spiel die Notwendigkeit, „Ruhe zu bewahren und auf dem Platz zu antworten“. Dennoch dürfte die Debatte um Stieler die Konzentration vor dem wichtigen Duell gegen Hoffenheim beeinträchtigen – ein Spiel, das für den Titelkampf entscheidend sein könnte.
Die TSG 1899 Hoffenheim, Gegner am kommenden Spieltag, reagierte gelassen. Trainer Pellegrino Matarazzo erklärte in einer ersten Stellungnahme: „Wir freuen uns auf ein faires Spiel gegen Bayern. Wer pfeift, ist für uns zweitrangig – Hauptsache, es wird gerecht entschieden.“ Die Sinsheimer hoffen, dass die Kontroverse nicht auf das Feld überschwappt.
Rechtsexperten sind sich uneins, ob Hainers angekündigte Schritte überhaupt Erfolg haben können. Das DFB-Reglement sieht keine Möglichkeit vor, Schiedsrichter auf Wunsch eines Vereins auszutauschen. Eine Klage vor einem Sportgericht oder gar vor einem Zivilgericht wäre ein Novum und könnte monatelang dauern. Dennoch signalisiert Bayern mit diesem Schritt, dass man nicht länger schweigen will. „Wir haben jahrelang geschluckt“, sagte ein Insider aus dem Umfeld des Vereins. „Jetzt ziehen wir die Konsequenzen.“
Die Debatte um Tobias Stieler und die Schiedsrichterleistungen in der Bundesliga ist so alt wie der Profifußball selbst. Doch selten hat ein Präsident so offensiv und mit rechtlichen Drohungen reagiert. Herbert Hainer, der seit 2019 das Präsidentenamt innehat und als ruhiger, aber bestimmter Manager gilt, zeigt damit, dass er bereit ist, neue Wege zu gehen – auch wenn das Risiko einer weiteren Polarisierung groß ist.
Während die Bundesliga weiter diskutiert, bereitet sich der FC Bayern auf das Spiel gegen Hoffenheim vor. Ob Tobias Stieler tatsächlich pfeift oder ob ein Austausch gelingt, bleibt abzuwarten. Eines ist jedoch klar: Die Schiedsrichter-Debatte in Deutschland hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Und der FC Bayern München steht einmal mehr im Zentrum des Sturms.
Die Fans in der Allianz Arena und Millionen Anhänger weltweit hoffen, dass am Ende der Sport und nicht die Justiz entscheidet. Doch Herbert Hainers Worte hallen nach: „Fairness ist keine Option – sie ist Pflicht.“ Ob diese Forderung Gehör findet, wird die kommenden Tage und Wochen zeigen. Der deutsche Fußball hält den Atem an.